Warum die „Drittelregel“ eigentlich Quatsch ist (und wie Bildaufbau wirklich funktioniert)

Es gibt da ein Wort in der Fotografie, das mich jedes Mal ein bisschen triggert: die „Drittelregel“. Ich verstehe natürlich vollkommen, warum man das Konzept so nennt. Aber das Wort „Regel“ ist an dieser Stelle einfach Quatsch.

Eine Regel würde ja bedeuten, dass du sie immer anwenden musst. Genau das wollen wir beim Fotografieren aber gar nicht – wir wollen ja schließlich nicht, dass jedes Bild am Ende exakt gleich aufgebaut ist.

Für mich ist das Ganze keine starre Vorgabe, sondern eine Drittelaufteilung. Ein reines Hilfsmittel, mit dem du ganz gezielt einen bestimmten Effekt steuerst.

Wie unser Blick ein Bild scannt

Es geht nämlich eigentlich darum zu verstehen, wie unser menschlicher Blick funktioniert. Wenn wir ein Foto anschauen, wandert unser Auge instinktiv immer zuerst direkt in die Mitte. Was dort platziert ist, bekommt für unser Gehirn automatisch die höhere Priorität als Sachen daneben oder am Rand.

Die typischen Linien der Drittelaufteilung markieren lediglich den Bereich um dieses Zentrum herum. Objekte auf diesen Linien sind immer noch wichtig, wirken aber nicht mehr ganz so dominant wie ein Motiv direkt im Mittelpunkt.

Der Rand hingegen sollte meistens frei von neuen Informationen sein. Wenn dort am Rand plötzlich ein wichtiges Detail auftaucht, irritiert das den Betrachter, weil im Kopf eine völlig neue, zweite Geschichte aufgemacht wird.

Das Pärchen am Strand: Ein Praxisbeispiel

Um das zu verdeutlichen, schauen wir uns mal ein echtes Beispiel an – ein Pärchen im Hintergrund am Strand:

In dieser weiten Perspektive wandert das Auge ganz natürlich vom blauen Boot im Vordergrund rüber über den Strand zum Pärchen und zur Palme. Das Pärchen ist zwar da, wirkt aber eher gleichwertig zu den anderen Objekten im Bild.

Rückt das Pärchen durch einen anderen Schnitt viel weiter an den Rand, verändert sich die Wirkung komplett. Obwohl es derselbe Inhalt ist, wirkt es nun eher deplatziert und falsch. Man ertappt sich vielleicht sogar bei dem Gedanken: „Wären die beiden nur kurz aus dem Bild gelaufen, wäre das Foto bestimmt besser gewesen.“

Und was passiert bei einem engen Ausschnitt, in dem das Pärchen exakt in der Mitte sitzt? Die komplette Bildwirkung kippt. Es fühlt sich auf einmal an wie ein „Stalker-Foto“. Wir beobachten ganz gezielt diese zwei Menschen. Das blaue Boot im Vordergrund hat plötzlich keinerlei Bedeutung mehr – im Gegenteil, es ist jetzt eigentlich nur noch im Weg und stört den Blick.

Fazit: Nutze es als Werkzeug, nicht als Gesetz

Es ist also keine Pflicht, diese Linien stur einzuhalten. Manchmal funktioniert ein Foto gerade deshalb, weil du das Motiv ganz bewusst genau in die Mitte oder absichtlich an den Rand setzt. Du musst nur wissen, welchen Effekt du damit erzielen willst.

Genau dieses bewusste Sehen und den richtigen Bildaufbau lernen wir übrigens intensiv in meinem Aufbaukurs Fotografie und dem Praxis-Workshop: Street & Architektur.

Denn die graue Theorie zu lesen, ist das eine. Aber sie auch draußen in der Praxis so anzuwenden, dass es dir in Fleisch und Blut übergeht, ist das andere. Meistens fehlt genau dieser Schritt: das direkte Ausprobieren unter Anleitung, damit du schnelle Erfolgserlebnisse sammelst und dein Auge wirklich schulst.

Wenn du Lust hast, das gemeinsam mit mir und anderen in Köln ganz praktisch zu üben und deine eigenen Erfahrungen zu produzieren, schau dir gerne mal meine aktuellen Termine für den Aufbaukurs oder den Praxisworkshop an. Da setzen wir genau diese Dinge direkt vor Ort in echte Bilder um.


Liebe Grüße

David

Streetfotografie in Köln-Ehrenfeld: Regen, Reflexionen und die Suche nach der zweiten Ebene

Es gibt kein schlechtes Wetter für die Streetfotografie – nur ungeplante Motivwechsel. Genau das durften wir bei unserem letzten vierstündigen Workshop in Köln-Ehrenfeld hautnah erleben. Mit vier motivierten Teilnehmern, die alle schon etwas fotografische Vorerfahrung mitbrachten, machten wir uns auf die Suche nach den kleinen und großen Geschichten des urbanen Alltags.

Wenn der Regen Regie führt: Ab in den Untergrund

Eigentlich war der Plan, direkt in die bunten Straßen von Ehrenfeld einzutauchen. Doch ein Regenschauer zu Beginn zwang uns, spontan umzudenken. Wir verlegten den Start kurzerhand in die Kölner U-Bahn – und machten aus der Not eine fotografische Tugend.

Der architektonisch kunstvolle Bahnhof Ehrenfeld und die umliegenden Stationen boten uns eine fantastische Spielwiese. Hier konnten wir uns wunderbar mit den Grundlagen der Bildgestaltung auseinandersetzen:

  • Geometrie und Linienführung: Die endlosen Rolltreppen und Bahnsteige bildeten perfekte Fluchtlinien.

  • Bewegungsunschärfe (Motion Blur): Vorbeirauschende Züge eigneten sich ideal, um Dynamik und die Hektik der Stadt im Bild festzuhalten.

  • Licht und Schatten: Das künstliche, oft etwas kühle Licht der Stationen in Kombination mit den Neonröhren sorgte für eine spannende, fast cineastische Atmosphäre.

Durch die Körnerstraße: Street Art und Pfützenspiele

Als der Regen schließlich nachließ, zog es uns an die frische Luft. Ehrenfeld ist bekannt für seinen rauen, kreativen Charme und war damit die perfekte Kulisse für unsere Tour. Unser Weg führte uns durch die belebte Körnerstraße, die an jeder Ecke neue Details bereithält.

Wir nahmen uns Zeit für die kleinen Dinge am Wegesrand: Schichten von Aufklebern an den Wänden, kleine Graffiti-Tags und natürlich die beeindruckenden, großflächigen Murals (Wandgemälde), die das Viertel so einzigartig machen.

Ein schöner Nebeneffekt des vorherigen Regens: Die nassen Straßen und Pfützen boten uns geniale Möglichkeiten, mit Spiegelungen zu arbeiten. So ließ sich die Stadt buchstäblich auf den Kopf stellen.

Die wichtigste Lektion: Die Idee schlägt die Technik

Da alle bereits Vorwissen mitbrachten, mussten wir uns nicht lange mit Kameragrundlagen aufhalten, sondern konnten direkt in die fotografische Philosophie eintauchen.

Der Kern dieses Workshops lag auf zwei wesentlichen Erkenntnissen, die den Unterschied zwischen einem reinen Schnappschuss und einem starken Street-Foto ausmachen:

  1. Die zweite Ebene: Ein gutes Foto braucht oft mehr als nur ein Hauptmotiv. Es ist die "zweite Ebene" – ein interessanter Hintergrund, eine überraschende Interaktion oder ein kontrastierendes Element im Vordergrund –, die dem Bild Tiefe und eine Geschichte verleiht.

  2. Kopf vor Kamera: Viele Fotografen machen sich zu Beginn verrückt wegen der perfekten technischen Einstellungen. Dabei lebt ein wirklich faszinierendes Street-Foto in erster Linie von der Bildidee. Wenn der Moment, die Komposition und die Aussage stimmen, ist es absolut zweitrangig, ob das Bild vielleicht eine Spur zu viel ISO-Rauschen hat oder nicht zu 100 % gestochen scharf ist. Perfektion ist oft langweilig – Charakter nicht.

Es war eine rundum gelungene Fototour, die gezeigt hat, dass man mit offenen Augen, etwas Flexibilität und dem Blick für das Wesentliche an jeder Ecke spannende Bilder kreieren kann.

Wenn du beim nächsten Mal auch dabei sein willst, dann schau doch auf meine Praxisworkshop Termine.

Liebe Grüße

David Grigo

8 Fototipps + Praxis auch für alte Kameras - Fotorunde in Köln (Youtube Video)

Das Video zeigt dir zunächst 8 Tipps für jede Art von Kamera. Ich bin mit dem Fahrrad durch Köln gefahren und habe Fotos am Morgen aufgenommen. Mit Beispielbildern zeige ich dir den Rest des Videos, was ich für Techniken eingesetzt habe, was ich mir dabei gedachte haben und welche Fehler du vermeiden solltest. Schau das Video bis zu Ende an um nicht alle anderen versteckten Tipps bei der Bildanalyse zu verpassen. Ich hoffe dir hilft das Video und macht dich zu einem besseren Fotografen!

Live-Video: Thema Brennweite/Blickwinkel/Zoom auf Facebook

Zum Thema Brennweite habe ich ein Live-Video erstellt, dass du dir auf Facebook anschauen kannst :)

Klicke einfach auf das Bild und du kommst direkt dahin, wenn du bereits einen Facebook-Account hast. In diesem Video erkläre ich die Unterschiede von Brennweiten bzw. dem Zoom und versuche dir deutlich zu machen wan du welche Brennweite verwenden solltest.

Egal ob du Personen, Objekte oder Landschaften fotografierst, es ist wichtig, bewusst die richtige Brennweite dafür zu nehmen und manche gänzlich zu vermeiden.

Liebe Grüße und bleib gesund
David

 

Video: Fotoausflug alleine in Köln

Am 31.03.2020 war ich in der Kölner Altstadt unterwegs und konnte sehr leere Plätze fotografieren. Ich nehme dich mit auf meine kleine Tour inkl. ein paar Erklärungen und Ergebnisbildern. Es ist mein erster Vlog dieser Art, damit nimm es mir nicht übel, wenn es noch viel zu verbessern gibt.

Für deine Anregungen und Fragen bin ich dankbar. Schreib mir gerne auch in die Kommentare, wenn du Fragen zu den Fotos hast und wenn du mehr Details dazu haben möchtest, wie ich die Bilder gemacht habe.

Bilddaten: Kölner Dom: ISO 100, Belichtungszeit 1/160s, Blende 8, 16mm, Kamera Nikon Z 6

Groß Sankt Martin mit Sonne: ISO 100, Belichtungszeit 1/60s, Blende 10, 19mm, Kamera Nikon Z 6

Altermarkt mit Tisch: ISO 100, Belichtungszeit 1/250s, Blende 4,5, 32mm, Kamera Nikon Z 6

Altermarkt mit Tisch Selfie: ISO 100, Belichtungszeit 1/250s, Blende 4, 18mm, Kamera Nikon Z 6

 

Video: 8 Dinge, die Fotografieanfänger richtig machen!

Ich kenne viele Videos, wo die Fehler von Anfängern in der Fotografie aufgelistet werden. In diesem Video beleuchte ich mal die positiven Seiten und zeige di...

Ich kenne viele Videos, wo die Fehler von Anfängern in der Fotografie aufgelistet werden.

In diesem Video beleuchte ich mal die positiven Seiten und zeige dir, welche 8 Dinge ein Fotografieanfänger richtig macht.

Ich möchte dich darin bestärken, dass du diese Einstellung auch weiterhin behältst oder über diese Punkte nachdenkst. Wenn dir weitere positive Dinge einfallen oder wenn du Anmerkungen zum Video hast, dann freue ich mich über Kommentare. Schreib mir auch gerne, wenn du weitere Themen hast, über die ich Videos machen könnte.

 

Video: Das Wesen der Fotografie - Meine Gedanken dazu

In diesem Video möchte ich dir erklären, wie ich die Fotografie sehe und warum man überhaupt fotografieren sollte. Fotografie ist ein Kommunikationsmittel und soll in erster Linie als schneller Weg dienen einer anderen Person Informationen oder Emotionen zu übermitteln.

Technik, Bildaufbau, Bildbearbeitung auch Bildpräsentation sind im Grunde nur dazu da eine Botschaft zu übermitteln. Sie haben keinen Selbstzweck.

Bleib gesund

David Grigo

 

Der niedrige Rheinpegel und Fokusstacking

Der niedrige Rheinpegel hat auch eine gute Seite:

Man kann sehr nah an den Rhein ran und somit Blickwinkel zeigen, die sonst nur mit Boot erreichbar wären. Hier z.B. bin ich unter dem Rheinboulevard unterwegs gewesen um unter der Deutzer Brücke hindurch die Kranhäuser fotografieren zu können. Die Steine im Vordergrund sind normalerweise unter Wasser und somit nur im Moment zugänglich. .

Um die Steine und die weit entfernten Kranhäuser gleichzeitig scharf zu bekommen, habe ich mehrer Aufnahmen gemacht. In einem Bild würde die Tiefenschärfe des Bildes nie ausreichen um beide Objekte bei der hohen Brennweite von 120mm (auf Kleinbild gerechnet) scharf abzubilden. Daher habe mittels Stativ 2 Bilder mit dem gleichen Bildausschnitt gemacht. Ein Bild mit den Kranhäusern im Fokus und ein Bild mit den Steinen im Fokus.

Diese beiden Bilder habe ich dann anschließende mit Photoshop zu einem Bild zusammengefügt. Hierbei habe ich jeweils den fokussierten Teil des Bildes genommen und den unscharfen Teil durch das andere Bild ersetzt.

Auf diese Weise bin ich an ein deutlich schärferes Bild gekommen als es sonst möglich gewesen wäre. Ich hoffe diese Erklärung hilft euch ein wenig bei euren Fotos weiter und inspiriert euch es auch mal auszuprobieren.

Bilddaten: Kamera war die Lumix G81, ISO 200, Blende 9, Belichtungszeit 4-60 Sekunden (HDR mit mehreren Bildern), Brennweite bei 120mm auf Kleinbild-/Vollformat gerechnet.

Hie noch ein Bild mit dem Dom ohne Fokusstacking. Hier sind die Steine deutlich unschärfer als im oberen Bild.

Es ist ein HDR mit 3 Bildern mit unterschiedlichen Belichtungszeiten von 3,2 bis 50 Sekunden. ISO 200, Blende 9, Brennweite 64mm auf Kleinbild-/Vollformat gerechnet. Kamera war die Lumix G81.

Wie du ein solches Bild grundsätzlich bearbeitest zeige ich dir übrigens in meinem Kurs über die Bildbearbeitung mit Lightroom der alle 2-3 Monate in Köln stattfindet.

Gruß⠀

David

Die Rheinpromenade am Pegel in Köln in der Nacht und der Blendenstern

Die Altstadt in der Nacht mit ihren alten Häusern und Lichtern.

Dominant ragt der Groß St. Martin hier über die Häuserdächer hervor. Der Dom zeigt aus diesem Winkel nur seine Spitzen.

Die "Sterneneffekte", die man bei den Laternen sehen kann, kommen übrigens von der Blende des Objektivs.

Die Lamellen des Objektivs geben vor, wie viele Strahlen diese "Sterne" um die punktuellen Lichtquellen, wie Laternen haben. Bei ungerader Lamellenzahl bildet sich die doppelte Zahl an Strahlen. Bei gerader Zahl hingegen bilden sich genauso viele Strahlen wie Lamellen. Zusätzlich kommt es stark darauf an, wie hoch die Blendenzahl ist. Je höher die Blendenzahl, desto stärker ist der "Stern" sichtbar.

Aufgenommen wurde das Bild mit folgenden Daten: HDR mit 5 Bildern unterschiedlicher Belichtungszeit von 3,2-50 Sekunden, Blende 9, ISO 200, Brennweite 13mm auf m4/3s Sensor oder 26mm auf Kleinbild-/Vollformatsensor gerechnet, Kamera war die Lumix G81.

Rheinufer mit Groß St. Martin in der Nacht 2018.jpg

Noch immer ist die Wasserhöhe im Rhein auf einem extremen Minimum und schränkt den Schiffsverkehr stark ein. Der Pegel selber ist ein sehr bekanntes Gebäude in der Altstadt und beliebter Treffpunkt :) Dazu ist er sogar noch fotogen, wenn er in der Nacht seine blaue Beleuchtung anknipst.

Aufgenommen wurde das Bild mit folgenden Daten: HDR mit 5 Bildern unterschiedlicher Belichtungszeit von 3,2-50 Sekunden, Blende 10, ISO 200, Brennweite 13mm auf m4/3s Sensor oder 26mm auf Kleinbild-/Vollformatsensor gerechnet, Kamera war die Lumix G81.

Rheinufer mit Pegel in der Nacht 2018.jpg

Eine Nahaufnahme des Pegel. Hier sieht man wie gering der Wasserstand im Rhein zu der Zeit wirklich war. Hoffen wir alle, dass er langsam mal wieder steigt, damit die Schiffe wieder fahren können!

Aufgenommen wurde das Bild mit folgenden Daten: HDR mit 5 Bildern unterschiedlicher Belichtungszeit von 2,5-20 Sekunden, Blende 10, ISO 200, Brennweite 15mm auf m4/3s Sensor oder 30mm auf Kleinbild-/Vollformatsensor gerechnet, Kamera war die Lumix G81.

Pegel am Rheinufer von unten fotografiert 2018.jpg

Ich hoffe die Bilder fandest du schön und den Text für deine eigene Fotografie interessant. Mehr Details bekommst du natürlich in meinen monatlichen Nachtfotografie Kursen in Köln.

Gruß

David